Das ist mein gutes Recht

Man muss nichts über die Jurisprudenz wissen, um sein gutes Recht einzufordern oder zumindest die Phrase mir nichts, dir nichts, das übrigens eine weitere Phrase ist, auszusprechen. Deutschland ist ein Rechtsstaat – keine Frage – Gewaltenteilung und so. Doch was es mit der Redewendung „das ist mein gutes Recht“ auf sich hat, hinterfragt man nicht zwangsläufig. Man nutzt sie einfach. Vorzugsweise mit Ausrufezeichen! Erst in Kanada wird mir der – nur deutsche? – (Un)Sinn gewahr, dem wir linguistisch und gedanklich aufsitzen. Es geht nicht immer um eine rechtliche Angelegenheit, sondern um eine Anspruchshaltung, der Wunsch nach Anspruchsberechtigung. Im Englischen pocht man auf sein „God-given right“ oder einfach „my right“. Vermehrt spricht man auch von „Entitlement“. Ein neumodisches Konzept, das den Anspruchsgedanken schürt, verrät mir ein Kanadier aus Ottawa. Eine umstrittene Idee aus dem Westen, glaubt er. Ob Recht aussprechen also immer richtig ist, obwohl jenes auch sprachlich unter Richtigkeit zu verbuchen ist, sei dahingestellt genauso wie die Frage, ob man mit Fug und Recht „(s)ein gutes Recht“ einfordern sollte . 

Blutegel-Bisse beim Baden

Aua! Mich hat was gebissen. Ich schaue auf meine nackten Füße, die gerade das Ufer des Grand River im Brant Park* erreicht haben, und sehe die beiden schwarzen wurmartigen Parasiten um meine Füße schlängeln. Erst realisiere ich gar nicht, was da so penetrant klebt, versuche das vermeintliche Seegras wegzuschnippen. Ohne Erfolg. Ich gucke zu Daniel, der sich gerade mit einer Dame vom Kanu-Verleih unterhält und fragt, wo wir Boot und Paddel abgeben sollen. Dann guckt er doch etwas besorgt zu mir und meint, wir sollten doch mal nach Salz fragen. Damit bekomme man die Blutsauger bestimmt los. 

So lange wollte ich aber nicht warten. Ein Pepsi-Automat und Tim Hortons wären bestimmt in der Nähe. Aber Salz? Ich reiße die fetten schwarzen Würmer von meinen Zehen. Zu groß wurde der Ekel und die Vorstellung, dass die Tiere hier gerade ihr Zweijahresmenue an meinem Körper einnehmen. So lange können Blutegel nämlich von nur einer blutrünstigen Mahlzeit zehren. Dagegen ist der Gemeine Holzbock gar nichts – obwohl dieser auch schon“igitt“ ist, um es mit einer Interjektion auszudrücken. Schließlich können Zecken Borreliose und FSME übertragen, wobei ich gegen letzteres Virus ohnehin geimpft bin.

Daniel, ein Freund von mir, und ich VOR der Kanu-Tour. Foto: K.E.

Ich erinnere mich an die Zeilen aus Sartes „Ekel“, in denen der Protagonist Antoine seinen Aufenthalt in einer französischen Provinzstadt beschreibt – und ihn dabei der Ekel packt. Dem hätte mal ein Blutegel über die Füße laufen sollen, denke ich mir. 

Ich blicke auf meine Zehen und sehe die beiden Bissstellen – jeweils drei waagrechte circa ein Zentimeter große Striche – zwei auf einer Höhe, der anderer mittig etwas erhöht. Sieht aus wie ein in die Haut getackertes Dreieck. Exakte Büroarbeit!? Ich ziehe schnurstracks meine Socken an, dann die Turnschuhe, bevor mir noch mehr Flora und Fauna auf die Füße und Nerven gehen.

Erst daheim merke ich, dass der untere Teil meines weißen Sockens rot eingefärbt ist. Unter der Dusche nehmen die Wunden ihren Lauf… Ich nehme ein Taschentuch, presse es fest auf die Tacker-Stellen, bis die Blutung endlich stillt… und versuche den „egligen“ Zwischenfall aus meiner ansonsten sehr schönen Kanu-Erinnerung zu tilgen. 

*Kanu-, Kajak- und Raftingtouren in der Brant Conservation Area, circa eine Autostunde südöstlich von Waterloo (Kanada, Ontario) entfernt, machen jede Menge Spaß. Wir paddeln insgesamt 13 Kilometer, was gut machbar ist, wobei die Abschnitte, Streckenlänge- und Dauer wählbar sind.

Bad(en) gehen in ordentlicher Unsauberkeit

Hier sitze ich nun – mal wieder in meinem Café. Habe den Blueberry-Scone, den ich sonst allmorgendlich genieße, das Zerbröckeln des fluffigen Teiges auf meiner Zunge spüre, heruntergeschlungen. Einfach so. Happs! Das musste sein! Und auch den vergleichsweise starken Cappuccino trinke ich ohne Genuss, dafür mit Er(Füllung). Ich bin gestresst. Mein ritualisierter morgendlicher Scone-und-Kaffee-Genuss ist heute lediglich ein Gefühl von erzwungener Ordnung, Kompensation.

Ich flippe meiner Schwester ein Bild von der Wanne per WhatsApp und setze einen gelben Smiley drunter, der nicht „smilet“, sondern angewidert guckt. So wie ich – als ich die Badewanne so vorgefunden hatte: übersät mit schwarzen Fußspuren, dutzenden schwarzen Haaren, ein Rest von eingetrocknetem gelblichem Duschgel, das an dem weißen Wannen-Acryl haftet. Mein Blick wandert weiter zum Waschbecken: Eingetrocknete Zahnpasta vermengt mit Speichel kleben da, vereinzelte schwarze Haare kringeln sich auf dem aalglatten Material – und auf dem Boden liegt ein Kabel, eins mit USB-Ausgang. An der anderen Seite der Badtür, fast direkt unter dem Toilettenpapier-Halter schimmert ein braun-gelber Fleck, eingetrocknet. Rost? Oder ich weiß nicht, was sonst noch so bräunlich aussieht? Ich möchte nicht darüber nachdenken… und schließe die Tür. Von außen!

Hatte ich heute Mittag noch beschlossen, die spärliche Situation in dem Airbnb auszuhalten mein Zimmer ist eigentlich kein Zimmer. Ich überlege wie ein Zimmer wohl definiert ist – in Toronto – etymologisch. Ich lebe, nein nächtige jedenfalls in der Küche – abgegrenzt ist mein „Zimmer“ lediglich durch aufgestellte Paravents, die einen Hauch von Privatsphäre abzeichnen sollen. Schön ist das Apartment. Die Lage ist traumhaft – mitten in Downtown Toronto.

Doch warum das? Wie kann man ein Bad so hinterlassen? Und wie schafft man es, die dunklen Fußspuren in die Wanne zu malen? Auch der Kühlschrank wurde augenscheinlich noch nie gewischt. Wie gut, dass es darin kühl ist. Sonst wäre es bei den Temperaturen sicherlich ein Eldorado für Mücken, die ihre Eier legen – jene Plage hatte ich mal in Deutschland, als ich vergessen hatte, meinen Kompost zu leeren und für zehn Tage auf Reisen war. Nach meinem Rückflug flog es auch in der Wohnung. Keine gute Erinnerung…

Ich klopfe an der Schiebetür meiner temporären Mitbewohnerin, die als letzte geduscht hatte und das Bad SO hinterlassen hat. Eine junge Chinesin, die zum Studium nach Toronto gezogen ist. Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob sie mich versteht. Ich zeige auf die Badewanne und sage ihr, dass man doch bitte das Bad sauber hinterlassen soll. Erst recht, wenn noch zwei andere Mitbewohnerinnen jenen „Refreshing-Raum“ nutzen. Sie nickt verständnisvoll, scheint aber überrascht über meine Reaktion zu sein, und greift zum Putzlappen. Ich komme mir vor wie eine Mutter, die ihr Kind zurechtweist, dass es doch besser aufräumen solle. Da ich selbst nicht für Ärger sorgen möchte, frage ich weiter, welche Regeln es im Haus gibt und wie man Müll trennt, wer und ob man putzt – und komme mir dabei ziemlich spießig vor. Zu deutsch (?). Doch – ich bin nicht spießig.

Nein, korrigiere ich selbst meinen Gedanken. Ich bin mit einem einfachen Bett zufrieden – ein bisschen Privatsphäre und Sauberkeit. Ist das zu viel verlangt? Ich meine – zwischen Ordnung und Sauberkeit gibt es Unterschiede, höre ich mich selbst rechtfertigen. Erstes ist bei mir manchmal auch nicht vorhanden – ich blicke auf meinem offenen Koffer, aus dem ich schon seit Wochen lebe. Aber eine gewisse Grundsauberkeit? Das muss doch gegeben sein! Und wenn nicht, dann arbeite ich eben dran. Herr Gott! Ist denn das so schwer, zeitintensiv? I don’t know!

Ich versuche Gründe für das schmutzige Bad zu eruieren – und trinke weiter meinen Cappuccino. Der ist mittlerweile auch nicht mehr schmackhaft… 

I don’t have a printer. Sorry!

5.45 am. Die Sonne strahlt bereits am Flughafen in Toronto. Nanu! Wo ist das schlechte in Ontario geblieben nach meinen 10 Tagen Abstinenz. Ich freue mich, dass mich die kalifornischen Sonnenstrahlen auch hier in Kanada weiter kitzeln, wobei ich zugegebenernmaßen nach meinem Overnight-Flight von LAX nach YYZ etwas übermüdet bin.

6.45 am. Mietwagen am Airport abholen. Juhu! Auch hier strahlt es weiter. In dert Tiefgarage. Grund ist der gut gelaunte Autohändler von Enterprise, der mir vertrauensvoll die Schlüssel des augenscheinlich größten Autos in der ganzen Garagengruft in die Hand drückt. Dabei hatte ich doch eigentlich einen kleinen, günstigen Allrounder via Internet reserviert – und zwar ohne Navi, um Geld zu sparen. Egal! Heute scheint mein Glückstag zu sein. Ich erhalte tatsächlich einen Riesenschlitten ohne Aufpreis bei top Wetter. Ich fühle mich wie „Queen of the Road“, und schicke meiner Freundin Silja, die ich am frühen Abend vom Airport abholen will, unsere vierrädrige Errungenschaft. So kann unser Roadtrip starten.

Und bis dahin muss ich dringend schlafen… im Flugzeug habe ich kein Auge zugemacht.

Ein „Spritfresser“ ist er, der Nissan QX 60 Infiniti.
Doch einen guten Ausblick hat man. Foto: K.E.

8.20 am: Wachgerüttelt wurde ich erst mit der Navi-Ansage „das Ziel befindet sich auf ihrer rechten Seite“. Wo? Der Parkplatz direkt neben der AirBnB-Bleibe scheint besetzt und auf den schmalen anderen Parkplatz passe ich nicht – mein Gefährt ist zu groß, weit entfernt von großartig. Ich texte um Hilfe und erfahre dabei zudem, dass auch das Zimmer noch von einem anderen Gast belegt ist. Grund: Offenbar ein klassisches Mieter-Vermieter am/pm-Missverständnis. Da lobe ich mir doch die 24-Stunden-Eindeutigkeit in der deutschen Sprache, auch wenn das nicht unbedingt Pünktlichkeit oder gar Zuverlässigkeit impliziert.

8.45 am: Parken kann ich hier nirgendwo – ohne Bewohnerausweis. Ich jammere zielsicher am Telefon. Wenn ich mich ärgere, bricht mein deutscher Akzent zehnmal stärker durch, sodass mich ein Fußgänger, der offenbar das Gespräch mitgehört hatte, mit zum Teil deutschsprachigen Parktipps versorgt. Nun hat auch mein Vermieter Mitleid. Er schickt mir eine temporäre Parkberechtigung. Nicht per Brieftaube (wäre vielleicht besser gewesen), sondern via Mail auf mein Smartphone. Und dann fragt er noch, ob ich einen Printer habe, um das Teil auszudrucken und an die Auto-Frontscheibe zu heften. Mein Koffer hatte zwar zurück Übergewicht – aber nicht weil ich da einen Drucker reingeschmuggelt habe. Was für eine Frage! Ich kritzle das Nötigste auf Papier, lege es ins Auto – und mache mich los zum nächsten Café…

Nun brauche ich dringend Koffein – und etwas Süßes wäre auch nicht schlecht, wenn ich schon keinen Schlaf bekomme.

9.15 am: Während ich wie ein hungriger Tiger das nächstgelegen Café ansteuere, schickt mir Silja eine SMS: „Flug hat Verspätung… Der Cateringservice hat eine Betriebsversammlung, das Flugzeug ist noch nicht mit Essen beladen“.

Ich aber gleich, denke ich mir, und zwar mit einem Blueberry-Scone. Wer denkt da an Schlaf, wenn er so viel selbst gebackenen Blues haben kann…

„Hihi. Ich freu mich. Es wird herrlich chaotisch zusammen“, schreibt Silja.

11.15 am: Ich falle ins Bett. Oder war es doch pm?

Rowing in Vancouver

Während meines Vancouver-Aufenthalts kribbelte es in Beinen und Armen. Ruderhunger! Dank Bahram Farahbakhsh vom Argonaut Rowing Club Toronto, wo ich temporär Wellen oder vielmehr Quallen schlage ;-), konnte ich auch beim VCR im sonnigen Vancouver scullen. Die ganze Ruderwelt scheint „connected“ zu sein – und nicht erst seit dem Digital Age. Die Clubs (oder zumindest deren Köpfe) kennen sich untereinander und helfen sich gegenseitig aus, wenn hier und da ein Foreigner bewegungsdrängend strandet, ganz der Metapher nach „wir sitzen alle in einem Boot“. 

v.l.n.r.: Gastruderer aus Hamburg, Margo Leight (im Motorboot),
Marta Obreska, Michel Emond und ich. Foto: K.E.
Nach der Fahrt werden die Boote (meist Hudson) aufs Gründlichste geputzt. Foto: K.E.

Raus gings im ungesteuerten Vierer (Quad). Dass im Boot ein zweiter Gastruderer aus Deutschland (Hamburg) saß, konnte ich nicht nur an der verräterischen Clubkleidung feststellen, sondern auch an unserer hauseigenen Technik: als wir beim Anlegen – vor dem Aussteigen! – die Dollen auf der Wasserweite öffneten und die Sculls auch noch synchron heraushoben*, während die Kanadier Marta und Michel noch im Boot saßen, war auch hier klar: gestrandete Strangers aus Germany. 

Herzlichen Dank, Vancouver Rowing Club, für den tollen Tag! 

https://www.vancouverrowingclub.ca

*Anlegeprozdere: Ob man erst aussteigt und dann die Dolle auf der Wasserseite aufdreht, um das Scull herauszuheben, oder dies noch sitzend im Boot tätigt – darüber scheiden sich die Geister hier wie dort.

Lehrreicher Leerlauf

Nun bin ich seit über einem Monat hier in Kanada. Und langsam passe ich mich dem „waterlooischen“ Rhythmus an: lange schlafen (aber leider nicht durch-), alles langsam angehen (sofern man es schafft, über Schnee und Eis zu balancieren, ohne sich die Haxen zu brechen) und einfach mal „Zuhause“ bleiben, wenn ein Blizzard warnend an die Fensterscheibe hämmert und der ganze Campus für einen Tag dicht gemacht wird.

Kanada zwingt einen in den Slow Mode. Und wenn man eiskalt nicht in jenen Winter-Sparmodus switcht, ist die Batterie schneller leer, als man gucken kann. Es ist aber nicht nur die klirrende Kälte, die einen zwei, drei Gänge runterschalten lässt – es sind auch die fehlenden Möglichkeiten in Waterloo (was echt ein K….f ist), etwas zu unternehmen. Statt Gas zu geben, rutscht man hier ganz unfreiwillig in den Leerlauf! 

Fazit für heute: Waterloo ist nicht der Clou.  

Joggen mit Peitsche

Drinnen ist es nicht wie draußen – und schon gar nicht wie das Draußen in Kanada. Selbst wenn die Sonne scheint und das Weiß romantisch funkelt. Eigentlich eine Binsenweisheit – doch heute in meiner laufenden Tat fühlbar. Ich wollte joggen gehen. Tat ich auch. Angezogen wie ein buntes Knallbonbon (für passende Farbkombis hatte ich keinen Platz in meinem Koffer): Thermounterhose, Thermopants, Sweatshirt, Ski-Jacke, Schal, Buff, Stirnband, Mütze drüber, Handschuhe an. Und dann ging’s los – mit meiner 90erMucke unter dem ganzen Stoff und im Galopp über den Gehweg. Sonntags wird hier nicht geräumt. 20 Zentimeter Schnee. Mindestens. Nur die vielen Fußspuren – nicht nur von Menschen – verrieten mir, dass ich auf dem richtigen Weg sein muss. Vorerst… 

Drinnen. Foto: K.E.

Ich laufe von einem S(l)idewalk zum anderen (manche enden einfach im Nichts, sodass man auf die Gegenseite ausweichen muss) und suche das „Laurel Creek Reservoir“. Ohne mich mehr über den Namen zu wundern, möchte ich laufend zu eben jenem See, der in Google Maps als blaue Fläche dargestellt wird. Und obwohl ich dank der Minus 16 Grad nicht in den See hätte fallen können, bin ich trotzdem irgendwie reingefallen. Den See gibt’s hier nämlich gar nicht. Oder zumindest schickt mich mein von der Kälte ganz benebeltes Smartphone in sämtliche Richtungen. Nur nicht in Richtung See, den ich eigentlich umrunden wollte. Jedes Gewässer – egal in welchem Aggregatzustand – muss doch einen Fußweg haben, meldet sich meine (typisch deutsche?) Erwartungshaltung. Doch: No way!

Draußen. Foto: K.E.

Stattdessen knallt mir nun die eisige Peitsche Kanadas ins Gesicht. Während die strahlende Sonne bis eben noch die kalte Luft auf minus 16 Grad aufwärmte, und allein bei ihrem Anblick alles viel wärmer schien, wird’s nun bitterkalt, dass selbst das über den Mund gezogene Schlauchtuch steinhart wird. Der frostige Wind bläst unerbittlich. Minus 25 Grad Celsius oder kälter fühle ich (noch!). Mein Gesicht schmerzt gewaltig und die Kälte steigt mir in den Kopf.

Jetzt läuft nicht mal mehr die Nase. Nur noch ich. 

Mein „Bligg“ in Kanada

Drinnen ist es nicht wie draußen – und schon gar nicht wie das Draußen in Kanada. Selbst wenn die Sonne scheint und das Weiß romantisch funkelt. Eigentlich eine Binsenweisheit – doch heute in meiner laufenden Tat fühlbar. Ich wollte joggen gehen. Tat ich auch. Angezogen wie ein buntes Knallbonbon (für passende Farbkombis hatte ich keinen Platz in meinem Koffer): Thermounterhose, Thermopants, Sweatshirt, Ski-Jacke, Schal, Buff, Stirnband, Mütze drüber, Handschuhe an. Und dann ging’s los – mit meiner 90erMucke unter dem ganzen Stoff und im Galopp über den Gehweg. Sonntags wird hier nicht geräumt. 20 Zentimeter Schnee. Mindestens. Nur die vielen Fußspuren – nicht nur von Menschen – verraten mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Vorerst.

Ich galoppiere von einem S(l)idewalk zum anderen (manche enden einfach im Nichts, sodass man auf die Gegenseite ausweichen muss) und suche das „Laurel Creek Reservoir“. Ohne mich mehr über den Namen zu wundern, möchte ich laufend zu eben jenem See, der in Google Maps als blaue Fläche dargestellt wird. Und obwohl ich dank der Minus 16 Grad nicht in den See hätte fallen können, bin ich trotzdem irgendwie reingefallen: Den See gibt’s hier nämlich nicht. Oder zumindest schickte mich mein von der Kälte ganz benebeltes Smartphone in sämtliche Richtungen. Nur nicht in Richtung See, den ich natürlich nicht sehen hätte können, da gefroren – ich suchte lediglich einen stillen Weg, der drumherum führt. Jedes Gewässer – egal in welchem Aggregatzustand – muss doch einen Fußweg haben, meldet sich meine (typisch deutsche?) Erwartungshaltung. Doch: No way!

Stattdessen knallt mir nun die eisige Peitsche Kanadas ins Gesicht. Während die strahlende Sonne bis eben noch die kalte Luft auf minus 16 Grad aufwärmte, und allein bei ihrem Anblick sich alles viel wärmer anfühlte, wird’s nun bitterkalt, dass selbst mein Schlauchtuch, das ich mir über den Mund gezogen hatte, steinhart wird. Der kräftige Wind bläst mir unerbittlich ins Gesicht. Minus 25 Grad Celsius oder kälter fühle ich (noch!). Mein Gesicht schmerzt gewaltig und die Kälte steigt mir in den Kopf. Jetzt läuft nicht mal mehr die Nase. Nur noch ich.

Hi, all together!

„Mein Bligg in Kanada“ ist für Familie, Freunde, Bekannte und alle anderen Neugierigen gedacht, die „bliggen“ wollen, was ich in Kanada so mache. Und da ein Blog mittlerweile für Reisende und (temporäre) Auswanderer genauso dazugehört wie Selfiestick und Backpack  – Ich habe natürlich zwei Hartschalenkoffer dabei 😉 -,  möchte ich auch „durchbliggen“.

Da ich aber in erster Linie eine Verfechterin von Papier & Handgeschriebenem bin, gibt’s trotzdem ab und zu analoge Post von mir. Bleibt zu hoffen, dass die Kanadische Post endlich in die Puschen kommt… (zu Ostern trudeln vorraussichtlich meine gesendeten Winterkarten in Dtl. ein. Also nicht wundern, wenn noch Schnee dranhängt 😉

However… Viel Spaß beim Lesen!

Eure Katharina

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