Aua! Mich hat was gebissen. Ich schaue auf meine nackten Füße, die gerade das Ufer des Grand River im Brant Park* erreicht haben, und sehe die beiden schwarzen wurmartigen Parasiten um meine Füße schlängeln. Erst realisiere ich gar nicht, was da so penetrant klebt, versuche das vermeintliche Seegras wegzuschnippen. Ohne Erfolg. Ich gucke zu Daniel, der sich gerade mit einer Dame vom Kanu-Verleih unterhält und fragt, wo wir Boot und Paddel abgeben sollen. Dann guckt er doch etwas besorgt zu mir und meint, wir sollten doch mal nach Salz fragen. Damit bekomme man die Blutsauger bestimmt los.
So lange wollte ich aber nicht warten. Ein Pepsi-Automat und Tim Hortons wären bestimmt in der Nähe. Aber Salz? Ich reiße die fetten schwarzen Würmer von meinen Zehen. Zu groß wurde der Ekel und die Vorstellung, dass die Tiere hier gerade ihr Zweijahresmenue an meinem Körper einnehmen. So lange können Blutegel nämlich von nur einer blutrünstigen Mahlzeit zehren. Dagegen ist der Gemeine Holzbock gar nichts – obwohl dieser auch schon“igitt“ ist, um es mit einer Interjektion auszudrücken. Schließlich können Zecken Borreliose und FSME übertragen, wobei ich gegen letzteres Virus ohnehin geimpft bin.

Ich erinnere mich an die Zeilen aus Sartes „Ekel“, in denen der Protagonist Antoine seinen Aufenthalt in einer französischen Provinzstadt beschreibt – und ihn dabei der Ekel packt. Dem hätte mal ein Blutegel über die Füße laufen sollen, denke ich mir.
Ich blicke auf meine Zehen und sehe die beiden Bissstellen – jeweils drei waagrechte circa ein Zentimeter große Striche – zwei auf einer Höhe, der anderer mittig etwas erhöht. Sieht aus wie ein in die Haut getackertes Dreieck. Exakte Büroarbeit!? Ich ziehe schnurstracks meine Socken an, dann die Turnschuhe, bevor mir noch mehr Flora und Fauna auf die Füße und Nerven gehen.

Daniel auf dem Steuerplatz. Foto: K.E.
Erst daheim merke ich, dass der untere Teil meines weißen Sockens rot eingefärbt ist. Unter der Dusche nehmen die Wunden ihren Lauf… Ich nehme ein Taschentuch, presse es fest auf die Tacker-Stellen, bis die Blutung endlich stillt… und versuche den „egligen“ Zwischenfall aus meiner ansonsten sehr schönen Kanu-Erinnerung zu tilgen.
*Kanu-, Kajak- und Raftingtouren in der Brant Conservation Area, circa eine Autostunde südöstlich von Waterloo (Kanada, Ontario) entfernt, machen jede Menge Spaß. Wir paddeln insgesamt 13 Kilometer, was gut machbar ist, wobei die Abschnitte, Streckenlänge- und Dauer wählbar sind.