5.45 am. Die Sonne strahlt bereits am Flughafen in Toronto. Nanu! Wo ist das schlechte in Ontario geblieben nach meinen 10 Tagen Abstinenz. Ich freue mich, dass mich die kalifornischen Sonnenstrahlen auch hier in Kanada weiter kitzeln, wobei ich zugegebenernmaßen nach meinem Overnight-Flight von LAX nach YYZ etwas übermüdet bin.
6.45 am. Mietwagen am Airport abholen. Juhu! Auch hier strahlt es weiter. In dert Tiefgarage. Grund ist der gut gelaunte Autohändler von Enterprise, der mir vertrauensvoll die Schlüssel des augenscheinlich größten Autos in der ganzen Garagengruft in die Hand drückt. Dabei hatte ich doch eigentlich einen kleinen, günstigen Allrounder via Internet reserviert – und zwar ohne Navi, um Geld zu sparen. Egal! Heute scheint mein Glückstag zu sein. Ich erhalte tatsächlich einen Riesenschlitten ohne Aufpreis bei top Wetter. Ich fühle mich wie „Queen of the Road“, und schicke meiner Freundin Silja, die ich am frühen Abend vom Airport abholen will, unsere vierrädrige Errungenschaft. So kann unser Roadtrip starten.
Und bis dahin muss ich dringend schlafen… im Flugzeug habe ich kein Auge zugemacht.

Doch einen guten Ausblick hat man. Foto: K.E.
8.20 am: Wachgerüttelt wurde ich erst mit der Navi-Ansage „das Ziel befindet sich auf ihrer rechten Seite“. Wo? Der Parkplatz direkt neben der AirBnB-Bleibe scheint besetzt und auf den schmalen anderen Parkplatz passe ich nicht – mein Gefährt ist zu groß, weit entfernt von großartig. Ich texte um Hilfe und erfahre dabei zudem, dass auch das Zimmer noch von einem anderen Gast belegt ist. Grund: Offenbar ein klassisches Mieter-Vermieter am/pm-Missverständnis. Da lobe ich mir doch die 24-Stunden-Eindeutigkeit in der deutschen Sprache, auch wenn das nicht unbedingt Pünktlichkeit oder gar Zuverlässigkeit impliziert.
8.45 am: Parken kann ich hier nirgendwo – ohne Bewohnerausweis. Ich jammere zielsicher am Telefon. Wenn ich mich ärgere, bricht mein deutscher Akzent zehnmal stärker durch, sodass mich ein Fußgänger, der offenbar das Gespräch mitgehört hatte, mit zum Teil deutschsprachigen Parktipps versorgt. Nun hat auch mein Vermieter Mitleid. Er schickt mir eine temporäre Parkberechtigung. Nicht per Brieftaube (wäre vielleicht besser gewesen), sondern via Mail auf mein Smartphone. Und dann fragt er noch, ob ich einen Printer habe, um das Teil auszudrucken und an die Auto-Frontscheibe zu heften. Mein Koffer hatte zwar zurück Übergewicht – aber nicht weil ich da einen Drucker reingeschmuggelt habe. Was für eine Frage! Ich kritzle das Nötigste auf Papier, lege es ins Auto – und mache mich los zum nächsten Café…
Nun brauche ich dringend Koffein – und etwas Süßes wäre auch nicht schlecht, wenn ich schon keinen Schlaf bekomme.
9.15 am: Während ich wie ein hungriger Tiger das nächstgelegen Café ansteuere, schickt mir Silja eine SMS: „Flug hat Verspätung… Der Cateringservice hat eine Betriebsversammlung, das Flugzeug ist noch nicht mit Essen beladen“.
Ich aber gleich, denke ich mir, und zwar mit einem Blueberry-Scone. Wer denkt da an Schlaf, wenn er so viel selbst gebackenen Blues haben kann…
„Hihi. Ich freu mich. Es wird herrlich chaotisch zusammen“, schreibt Silja.
11.15 am: Ich falle ins Bett. Oder war es doch pm?



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